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Kleine Gesellschaft für profane Reliquien

Impressum

mit 15 eingelegten Ansichtskarten der Reliquien
Hrsg: Wigger Bierma
Betreuer: Wigger Bierma / Claire Gauthier / Hannah Rath / Ralf Bacher
2/2017
Auflage: 60 Stk.
Material 374

Drucktechnik

120 Seiten,
4C-Digitaldruck; Hamburger Digitaldruck, Klappenumschlag; Rückendrahtheftung

20,— Euro

Beschreibung

Die Ausstellung Kleine Gesellschaft für profane Reliquien und das vorliegende Buch, ist das Ergebnis eines Projekt der Klasse Typografie der Hochschule für bildende Künste Hamburg.
Textredaktion: Alexander Rischer / Fotografie der Arbeiten: Christoph David Drange Gestaltung: Maximilian Scholl / Leon Lechner / Wigger Bierma / Bindung: Klasse Typografie

‘Was haben Reliquien mit Typografie zu tun?’, könnte man fragen. So wie die Meister des Gebiets es beschrieben haben in ihren Fachbücher, ist die Typografie mittlerweile selber eine Reliquie geworden. Eine etwas zynisches Antwort vielleicht – auch der Begriff Reliquie wird so eher in ihre übertragene denunzierende Bedeutung gedreht: etwas von früher im abwertenden Sinne gedacht, etwas das jetzt als abergläubisch und unsinnig behauptet wird. Eine Reliquie ist ein Überbleibsel, ein Gegenstand religiöser Verehrung, insbesondere ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen. Es mag klar sein, wenn Heute mit Studierenden die Reliquie in einer Ausstellung thematisiert wird, man keinen Zugriff auf Körperteile von tatsächlichen Heiligen hat. Man muss das Phänomen also im erweiterten Sinne definieren, und damit auch den Begriff des Heiligen.

[...] Profane Reliquien sind Überbleibsel oder öfter Berührungsreliquien von Menschen, die außerhalb der Religion verehrt werden. Die Spazierstöcke von Franz Liszt zum Beispiel, die mit ähnlicher Sorgfalt in Weimar aufbewahrt werden. Aber auch diese Kategorie von Gegenständen waren für uns, mit Ausnahme eines Exponats,unerreichbar. Wir haben also die Reliquie ‘frei’ aufgefasst. Es geht auch nicht so sehr um das ‘Was’ aber um das ‘Wie’.

Damit wird auch der Verbund zur Typografie klar. Typografie – die Anordnung von Schrift und Text – beschäftigt sich höchstens mit der Redaktion, aber nicht mit dem Inhalt des Textes. Typografie beschäftigt sich mit deren Präsentation, dazu ist das Drucken, Vervielfältigen und Veröffentlichen an sich ein Aufwertungsakt. Auch bei Reliquien ist die Form der Präsentation ausschlaggebend. Da ein Knochen eines Heiligen sich anscheinend nicht von einem Knochen eines völlig Unbekannten unterscheidet, muss der Reliquienschrein deutlich machen worum es sich handelt. So kann die Umhüllung des Fragments des Heiligen die Relique wieder mit seinem ursprunglichen Ort verbinden oder es wird nur umschmeichelt von Schnörkeln und elaborierter Handarbeit, um auf ihre einzigartige Bedeutung hinzuweisen.

Auf den nachfolgenden Seiten, Selber zu Schreinen gefaltet, findet man Textfragmente, die auf unterschiedliche Weise die Reliquie thematisieren. Alexander Rischer hat auf meine Frage, sein Wissen und vor allem seine Empfänglichkeit zu diesem Thema ins Spiel gebracht und so die Texte gefunden und ausgewählt. Dazu sind auch einige seiner Fotos aufgenommen wurden, ohne Anspruch an der Ausstellung teilzunehmen.

Claus Sautter, Micha Mohr und Peter Boué haben uns in die Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur eingeladen und somit auch in die Wohnung zweier Gastgeber. Dieser Raum ist kein institutioneller Ausstellungsraum sondern auch ein Wohnraum, mit Wärme und Menschlichkeit fühlbar belebt ist, und damit ein Kontrapunkt zum institutionellen Ausstellungsraum. Hier fühlen sich unsere ‘Reliquen’ zuhause.

(Auszug aus dem Vorwort)