Liebe Gabriele

Über die Praxis von Care in künstlerischen Arbeitsweisen

Charlotte Perka

Impressum

Betreuer: Wigger Bierma / Ralf Bacher
12/2021
Auflage: 50 Stk.
Material 425
Materialverlag - HFBK, Hamburg 2021

Drucktechnik

Heft mit 10 eingelegten Briefen
48 Seiten,
Digitaldruck 4C, Klammerheftung

21,— Euro

Beschreibung

»In Liebe Gabriele setze ich mich mit meinem Lese- und Verständnisprozess des Buches Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft von Gabriele Winker auseinander, indem ich Briefe an die Autorin schreibe. In den Briefen beschreibe ich, wie das Lesen des Buches sich mit dem Nachdenken über Begriffe und Texte anderer Autorinnen (vor allem aus der Disability Justice), der Arbeitsweise der Sickness Affinity Group (einer Künstlerinnengruppe aus Berlin), Alltagsbeobachtungen und meinen Erfahrungen vermischt und diese beeinflusst. Gleichzeitig passiert dies auch andersherum: Mein Verständnis des Texts wird durch die Umwelt verändert, es vertieft sich und neue Fragen entstehen.

Gabriele Winkler schlägt in Care Revolution vor, den Menschen nicht als vollständig autonom zu betrachten, sondern vielmehr als interdependent, d.h. wechselseitig abhängig: „[I]t is part of the human condition that our autonomy occurs only after a long period of dependence, and that in many regards, we remain dependent upon others throughout our lives“. In Folge dessen schlägt Winkler eine politische und ökonomische Neuordnung vor, die Fürsorge und Bedürfnisbefriedigung statt dem gegenwärtigen kapitalistischen Bestreben nach Profitmaximierung ins Zentrum stellt. Winklers Analyse war für mich eine Grundlage, um die politische Relevanz des Priorisierens von Care, die bereits seit Jahrzehnten vor allem von behinderten Aktivist*innen eingefordert wird, zu verstehen und diese Forderung mit meiner eigenen Lebensrealität zu verknüpfen.

In den zehn entstandenen Briefen versuche ich der Autorin, Gabriele, zu beschreiben, wie ihre gesamtgesellschaftlichen Überlegungen sich mit meinen persönlichen Erfahrungen verbinden. Im Text beziehe ich mich immer wieder explizit auf Erfahrungswissen anderer Personen oder mein eigenes, weil ich das Vermischen von akademischem Wissen und Erfahrungswissen als ebenso unvermeidbar wie fruchtbar betrachte.«

Charlotte Perka