TAPU

How to Draw Birds

Jakob Engel

Impressum

Betreuer: Jeanne Faust / Wigger Bierma / Ralf Bacher / Hannah Rath / Claire Gauthier
5/2017
Auflage: 70 Stk.
Material 379
Materialverlag – HFBK, 2017

Drucktechnik

Hardcover mit Texteinleger
80 Seiten,
Vierfarb-Digitaldruck; HP-Indigo, Hardcover in Leinen eingeschlagen, Fadenbindung

39,— Euro

Beschreibung

1773 – mit achtzehn Jahren – zeichnete Georg Forster seinen ersten Vogel. Mit seinem Vater, dem Biologen Georg Reinhold Forster, begleitete er Kapitän James Cook auf einer Expedition im Südpazifik. Cook hatte den Auftrag, mit seinen Schiffen Resolution und Adventure die hypothetische Terra Australis zu entdecken – ein großer Südkontinent, der die nördliche Landmasse ausgleichen müsste. Dies war seit der Antike die vorherrschende Meinung in Europa. Cook fand jedoch nur kleine Inseln. Wieder in Europa angekommen schrieb Georg Forster anhand seiner Aufzeichnungen einen Reisebericht, der schnell populär wurde und die Vorstellung der Europäer von der fremden Südsee und dessen Einwohnern prägte.

Mit seinem Text brachte er auch den Begriff tapu mit nach Europa. Tapu – „das Gebot zu meiden“, wie er es definierte, ist im pazifischen Raum ein weit verbreitetes komplexes kulturelles Konzept. Es leitet sich von den zwei Wörtern ta pu ab, die auf der Insel Tahiti die Bedeutung von etwas „ganz Gekennzeichnetem“ besaßen. Als ursprünglich eher positiv konnotierter Begriff wurde er im europäischen Sprachgebrauch ins Negative umgedeutet – repräsentierte er doch das mythische Berührungsverbot, welches die Aufklärung damals gerade zu bekämpfen versuchte. Doch wie Adorno und Horkheimer in ihrer “Dialektik der Aufklärung” anmerken ist “die reine Immanenz des Positivismus [...] nichts anderes als ein gleichsam universales Tabu. Es darf überhaupt nichts mehr draußen sein, weil die bloße Vorstellung des Draußen die eigentliche Quelle der Angst ist.“

Den Blick bis zur nächsten Bushaltestelle riskiert Jakob Engel und konfrontiert Forsters Erzählung der frühen Kolonialgeschichte im Südpazifik mit seiner Bilderfolge. Er dramatisiert Teile von Forsters Text zu einer Art Theaterskript und kennzeichnet seinen Reisebericht damit deutlich als Erzählung. Das Abenteuer (Adventure), die Aufklärung (Resolution), die Entdeckung (Discovery) und die Bemühung (Endevour) verlagern sich hier vom Schiff in den Blick des Betrachters, der so wenig von der Südsee zu sehen bekommt wie der Leser von Forsters Reisebericht.